| Veröffentlichungen & Daten

Zeitliche Trends zu Inzidenz, Ursachen, Einsatz von mechanischer Kreislaufunterstützung und Mortalität bei kardiogenem Schock in Deutschland

In dieser retrospektiven Registerstudie, basierend auf Daten des Statistischen Bundesamts, analysierten Schrage und Kollegen 441.696 Patientenfälle von 2005 bis 2017 aus ganz Deutschland, bei denen im Rahmen des stationären Aufenthaltes die Diagnose „kardiogener Schock“ kodiert wurde.

In dieser retrospektiven Registerstudie, basierend auf Daten des Statistischen Bundesamts, analysierten Schrage und Kollegen 441.696 Patientenfälle von 2005 bis 2017 aus ganz Deutschland, bei denen im Rahmen des stationären Aufenthaltes die Diagnose „kardiogener Schock“ kodiert wurde.
Es konnte eine deutliche Zunahme der Inzidenz des kardiogenen Schocks verzeichnet werden: 33,1/100.000 in 2005 vs. 51,7/100.000 in 2017. Als Hauptursache fand sich der akute Myokardinfarkt mit einer steigenden absoluten Anzahl von Patientenfällen (43.422 Fälle vs. 73.274 Fälle), jedoch zeigte sich ein leichter Rückgang des relativen Anteils (52,9% 2005-2007 vs. 44,2% 2014-2017). Als weitere Ursachen für den kardiogenen Schock ergaben sich die fulminante Lungenarterienembolie, die akute Myokarditis, der Zustand nach Kardiotomie sowie der prä- und intrahospitale Herz-Kreislaufstillstand mit relativ stabilen Anteilen an Patientenfällen. Allerdings nahm der Anteil des kardiogenen Schocks bei z. B. dekompensierter Herzinsuffizienz deutlich zu (40% 2005-2007 vs. 53% 2014-2017). Die intrahospitale Mortalität verblieb über die Jahre stabil hoch (61% 2005 vs. 59% 2017) mit allerdings einem leichten Rückgang der Todesfälle bei den Patienten mit akutem Myokardinfarkt als Ursache für den kardiogenen Schock.
Bezüglich der mechanischen Kreislaufunterstützungssysteme konnte im Beobachtungszeitraum gezeigt werden, dass der Einsatz der IABP nach 2010 deutlich zurückgegangen ist und andere Verfahren, wie perkutane linksventrikuläre Systeme (pLVAD, zB. Impella) und VA-ECMO, zunehmend häufiger verwendet wurden (pLVAD: 27 Fälle in 2005 vs. 1323 in 2017; VA-ECMO: 35 in 2005 vs. 2414 in 2017). Insgesamt kamen diese Therapieverfahren bei etwa 10% der Patienten zum Einsatz, anteilig häufiger bei jüngeren männlichen Patienten sowie bei Patienten mit akutem Myokardinfarkt oder prä-bzw. intrahospitalem Herz-Kreislauf-Stillstand.
Die Autoren betonen in ihrer Zusammenfassung den zunehmenden Einsatz von mechanischen Kreislaufunterstützungssystemen (pLVAD und VA-ECMO) sowie die verbesserte Überlebensrate bei Patienten mit kardiogenem Schock bei akutem Myokardinfarkt. Gleichzeitig verweisen sie aber auf die unverändert hohe Mortalität des kardiogenen Schocks anderer Genese, für dessen Therapie dringend erfolgreichere Behandlungskonzepte gefunden werden müssen.